6.5.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Endarteriektomie

Beschreibung:

Kopfschmerz, der durch den chirurgischen Eingriff bei einer Endarteriektomie ausgelöst wird. Am Schmerzgeschehen können auch Hals und Gesicht beteiligt sein. Er kann isoliert bestehen bleiben oder es kann sich um ein Warnsymptom handeln, das den fokalen Defiziten eines (meist hämorrhagischen) Infarkts vorangeht.

Diagnostische Kriterien:
  1. Jeder neue Kopfschmerz, der das Kriterium C erfüllt
  2. Zustand nach Durchführung einer Endarteriektomie der A. carotis
  3. Ein kausaler Zusammenhang kann durch wenigstens zwei der folgenden Kriterien gezeigt werden:
    1. Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von 1 Woche nach Carotis-Endarteriektomie
    2. Kopfschmerz verschwindet innerhalb von 1 Monat nach Carotis-Endarteriektomie
    3. beides von Folgendem:
      1. Kopfschmerz ist einseitig, auf der Seite der Carotis-Endarteriektomie
      2. Kopfschmerz weist eines der drei folgenden eindeutigen Merkmale auf1:
        1. diffuser leichter Schmerz
        2. Clusterkopfschmerz-ähnlicher Schmerz, der 1- bis 2-mal am Tag in Attacken von 2 bis 3 Stunden Dauer auftritt
        3. pulsierender, starker Schmerz
  4. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose2.
Anmerkung:
  1. Es wurden drei verschiedene Subtypen von 6.5.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Endarteriektomie beschrieben; diese werden jedoch nicht separat kodiert:
    1. ein isolierter leichter, diffus lokalisierter Kopfschmerz, der innerhalb der ersten Tage nach der Operation auftritt;
    2. ein einseitiger Clusterkopfschmerz-ähnlicher Schmerz mit Attacken, die 2 bis 3 Stunden anhalten und 1- bis 2-mal pro Tag auftreten;
    3. ein starker einseitiger pulsierender Schmerz, der 3 Tage nach der Operation auftritt.
  2. Durch entsprechende Untersuchungen wurde insbesondere eine arterielle Dissektion ausgeschlossen.
Kommentar:

Von den drei Subtypen des 6.5.2 Kopfschmerzes zurückzuführen auf eine Endarteriektomie ist die erste und häufigste Form (bis zu 60% der Fälle) eine gutartige, selbstlimitierende Störung, während die zweite (beschrieben in bis zu 38% der Fälle) innerhalb von etwa 2 Wochen verschwindet. Die dritte Kopfschmerzform ist Teil des seltenen Hyperperfusionssyndroms, das häufig einem Anstieg des Blutdruckes und dem Auftreten von epileptischen Anfällen bzw. von neurologischen Defiziten um den 7. Tag herum vorangeht. Eine notfallmäßige Behandlung ist notwendig, da diese Symptome eine zerebrale Blutung ankündigen können.