6.2.1 Akuter Kopfschmerz zurückzuführen auf eine nicht-traumatische intrazerebrale Blutung

Beschreibung:

Neuer und meist akut beginnender Kopfschmerz infolge einer nicht-traumatischen intrazerebralen Blutung in Begleitung fokaler neurologischer Symptome der intrazerebralen Blutung. Der Kopfschmerz kann in seltenen Fällen das sich manifestierende und führende Symptom einer nicht-traumatischen intrazerebralen Blutung sein.

Diagnostische Kriterien:
  1. Jeder neue Kopfschmerz, der die Kriterien C und D erfüllt
  2. Es wurde eine intrazerebrale Blutung (ICB)1 bei fehlendem Kopftrauma diagnostiziert
  3. Ein kausaler Zusammenhang kann durch mindestens zwei der folgenden Kriterien gezeigt werden:
    1. Der Kopfschmerz tritt in engem zeitlichem Zusammenhang mit anderen Symptomen und/oder klinischen Symptome einer ICB auf oder war maßgeblich für die Diagnose einer ICB
    2. Der Kopfschmerz hat sich gleichzeitig mit der Stabilisierung oder Besserung anderer Symptome bzw. klinischer oder radiologischer Zeichen von ICB deutlich gebessert
    3. Der Kopfschmerz weist mindestens eines der folgenden Merkmale auf:
      1. plötzlicher Beginn oder Beginn als Donnerschlagkopfschmerz
      2. maximale Intensität am Tag des Kopfschmerzbeginns
      3. in Übereinstimmung mit dem Situs der Blutung lokalisiert
  4. Es ist einer der folgenden Punkte erfüllt:
    1. Kopfschmerz ist innerhalb von 3 Monaten verschwunden2
    2. Kopfschmerz ist noch nicht verschwunden, aber es sind noch keine 3 Monate verstrichen2
  5. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose.
Anmerkung:
  1. Gemäß des allgemeinen Wortgebrauchs schließt der Begriff intrazerebral in diesem Zusammenhang auch den Begriff intrazerebellär ein.
  2. Die 3 Monate sollten ab Stabilisierung gezählt werden, ob spontan oder durch Behandlung, statt ab Beginn der intrazerebralen Blutung.
Kommentar:

Der 6.2.1 akute Kopfschmerz zurückzuführen auf eine intrazerebrale Blutung wird häufiger durch subarachnoidales Blut oder eine lokale Kompression hervorgerufen als durch eine intrakranielle Hypertension. In Einzelfällen kann sich der Kopfschmerz als Donnerschlagkopfschmerz manifestieren.

Kopfschmerz ist beim hämorrhagischen Infarkt verbreiteter und schwerer als beim ischämischen Infarkt. Bei seinem Auftreten zum Infarktbeginn ist Kopfschmerz bei einer intrazerebralen Blutung mit einem höheren Risiko frühzeitiger Mortalität verbunden, nicht jedoch beim ischämischen Infarkt.
Der Kopfschmerz wird gewöhnlich von fokalen Defiziten oder Koma überschattet, kann jedoch das hervorstechende Frühsymptom einiger intrazerebraler Blutungen, vor allem einer zerebellären Blutung, sein. Hier ist gegebenenfalls eine notfallmäßige chirurgische Entlastung geboten.