7.4.1 Kopfschmerz zurückzuführen auf ein intrakranielles Neoplasma

Beschreibung:

Kopfschmerz verursacht durch einen oder mehrere raumfordernde intrakranielle Tumore.

Diagnostische Kriterien:
  1. Kopfschmerz, der das Kriterium C erfüllt
  2. Es wurde ein raumforderndes intrakranielles Neoplasma nachgewiesen
  3. Ein kausaler Zusammenhang kann durch mindestens zwei der folgenden Kriterien gezeigt werden:
    1. Der Kopfschmerz hat sich in einem zeitlichen Zusammenhang zur Entwicklung des Neoplasmas entwickelt oder führte zu seiner Entdeckung
    2. Einer oder beide der folgenden Punkte sind erfüllt:
      1. der Kopfschmerz hat sich gleichzeitig mit der Verschlechterung des Neoplasmas deutlich verschlechtert
      2. der Kopfschmerz hat sich in einem zeitlichen Zusammenhang zu einer erfolgreichen Behandlung des Neoplasmas deutlich gebessert
    3. Der Kopfschmerz weist mindestens eines der folgenden vier Charakteristika auf:
      1. fortschreitend
      2. morgens und/oder im Liegen schlimmer
      3. Verschlimmerung durch Valsalva-Manöver
      4. von Übelkeit und/oder Erbrechen begleitet
    4. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose.
    Kommentar:

    Die Prävalenz von Kopfschmerzen bei Patienten mit intrakraniellen Tumoren liegt zwischen 32% und 71%. Bei jungen Patienten (Kinder inbegriffen) ist die Kopfschmerzwahrscheinlichkeit größer, ebenso bei Patienten mit primären Kopfschmerzen in der Vorgeschichte und mit raschem Tumorwachstum bzw. oder Schädelgruben- oder Mittellinienlage. Bei Patienten mit aktueller oder in der Vorgeschichte aufgetretener Krebserkrankung sollte die Schwelle für weitere Diagnostik niedrig angesetzt werden.

    Es gibt keine pathognomonischen Merkmale eines 7.4.1 Kopfschmerzes zurückzuführen auf ein intrakranielles Neoplasma, obwohl Progression oder Abbau ein zentrales Merkmal darstellen. Die weiteren Symptome, die an etwas Derartiges denken lassen (schwer, morgens schlimmer und in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen auftretend) sind keine klassische Triade; sie gehören eher in den Kontext einer intrakraniellen Druckerhöhung und den von Tumoren der hinteren Schädelgrube.

    Der Kopfschmerz sitzt nicht unbedingt ipsilateral zum Tumor. Tendenziell treten eher Massebildungen im Umfeld des Schädels oder der Dura mater in Begleitung von ipsilateralen Kopfschmerzen auf, eine intrakranielle Hypertension jedoch ruft einen diffuseren Kopfschmerz hervor. Der Kopfschmerz, der durch einen Hirntumor verursacht wird, bleibt selten das einzige Symptom: ein isolierter Kopfschmerz tritt bei 2% bis 16% der Patienten auf, neurologische Defizite und epileptische Anfälle sind jedoch sehr verbreitet.