10.3.5 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine autonome Dysreflexie

Beschreibung:

Pochender schwerer Kopfschmerz mit plötzlichem Beginn bei Patienten mit Rückenmarkverletzung und autonomer Dysreflexie. Letztere, die lebensbedrohlich sein kann, manifestiert sich neben anderen Symptomen und klinischen Zeichen als paroxysmaler Blutdruckanstieg und wird oft durch eine Blasen- oder Darmreizung getriggert (durch eine Infektion, Distension oder Koprostase).

Diagnostische Kriterien:
  1. Kopfschmerz mit plötzlichem Beginn, der Kriterium C erfüllt
  2. Vorliegen einer Rückenmarkverletzung und autonomen Dysreflexie, dokumentiert durch einen paroxysmalen Blutdruckanstieg oberhalb der Grundlinie von ≥30 mmHg beim systolischen Blutdruck und/oder von ≥20 mmHg beim diastolischen Blutdruck
  3. Ein kausaler Zusammenhang kann durch mindestens zwei der folgenden Kriterien gezeigt werden:
    1. Der Kopfschmerz hat sich in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Blutdruckanstieg entwickelt
    2. Einer oder beide der folgenden Punkte sind erfüllt:
      1. Der Kopfschmerz hat sich gleichzeitig mit dem Blutdruckanstieg deutlich verschlechtert
      2. Der Kopfschmerz hat sich gleichzeitig mit der Blutdrucksenkung deutlich gebessert
    3. Der Kopfschmerz weist mindestens zwei der folgenden vier Charakteristika auf:
      1. starke Intensität
      2. pochender oder pulsierender Charakter
      3. begleitet von einer Diaphorese kraniell zur Höhe der Rückenmarkverletzung
      4. durch Blasen- oder Darmreflexe getriggert
  4. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose.
Kommentar:

Die Zeit bis zum Beginn einer autonomen Dysreflexie nach Rückenmarkverletzung ist variabel. Berichtet wurden Zeitspannen von 4 Tagen bis 15 Jahren.

Angesichts der Tatsache, dass eine autonome Dysreflexie eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellen kann, ist ihr rechtzeitiges Erkennen und adäquates Management entscheidend. Üblicherweise ist der 10.3.5 Kopfschmerz zurückzuführen auf eine Dysreflexie ein plötzlich beginnender schwerer Kopfschmerz, der in Begleitung diverser anderer Symptome und klinischer Zeichen auftritt, darunter ein erhöhter Blutdruck, eine veränderte Herzfrequenz und eine Diaphorese kraniell zur Höhe der Rückenmarkverletzung. Diese werden durch schädliche oder nichtschädliche Stimuli getriggert, meist viszeralen Ursprungs (Überdehnung der Blase, Harnwegsinfektion, Distension oder Koprostase des Darmes, urologische Eingriffe, Magengeschwür u. a.), doch mitunter auch somatischer Natur (Dekubitus, eingewachsener Zehennagel, Verbrennungen, ein Trauma oder chirurgische bzw. invasive diagnostische Verfahren).