10.1.3 Taucherkopfschmerz

An anderer Stelle kodiert:

1. Migräne, 2. Kopfschmerz vom Spannungstyp, 4.2 primärer Anstrengungskopfschmerz, 4.5 primärer kältebedingter Kopfschmerz, 4.6.1 Kopfschmerz durch äußeren Druck und 11.2.1 zervikogener Kopfschmerz können während eines Tauchganges auftreten. In diesem Fall sollte das Tauchen eher als ein begünstigender Faktor denn als Ursache berücksichtigt werden, und der Kopfschmerz sollte dementsprechend unter diesen Störungen kodiert werden.

Es ist bekannt, dass das Tauchen eine Dissektion der A. carotis interna oder A. vertebralis verursachen kann. Kopfschmerzen, die infolge dessen auftreten, sollten unter 6.5.1. akuter Kopf-, Gesichts- oder Halsschmerz zurückzuführen auf eine arterielle Dissektion kodiert werden.

Beschreibung:

Kopfschmerz durch Tauchen auf Tiefen von mehr als 10 Metern, oft während des Tauchgangs auftretend, sich jedoch oft beim Wiederauftauchen intensivierend, bei fehlender Dekompressionskrankheit. In der Regel wird dieser Kopfschmerz von Symptomen einer Kohlendioxid-(CO2)-Intoxikation begleitet. Er verschwindet nach Sauerstoffgabe schnell oder, sofern eine solche nicht erfolgt, spontan innerhalb von 3 Tagen nach dem Ende des Tauchens.

Diagnostische Kriterien:
  1. Kopfschmerz, der das Kriterium C erfüllt
  2. Es treffen beide folgenden Punkte zu:
    1. Der Patient unternimmt einen Tauchgang in >10 Metern Tiefe
    2. Kein Hinweis auf eine Dekompressionskrankheit
  3. Ein kausaler Zusammenhang kann durch wenigstens eines der folgenden Kriterien gezeigt werden:
    1. Der Kopfschmerz hat sich während des Tauchganges entwickelt
    2. Einer oder beide der folgenden Punkte sind erfüllt:
      1. Der Kopfschmerz hat sich im weiteren Verlauf des Tauchgangs verschlechtert
      2. Es ist wenigstens einer der folgenden Punkte erfüllt:
        1. Der Kopfschmerz ist innerhalb von 3 Tagen nach Einstellen des Tauchens spontan verschwunden
        2. Der Kopfschmerz ist innerhalb von 1 Stunden nach einer Behandlung mit 100% O2 verschwunden
    3. Es liegt mindestens eines der folgendem Symptome einer CO2-Intoxikation:
      1. Verwirrtheitszustand
      2. Benommenheit
      3. motorische Koordinationsstörungen
      4. Dyspnoe
      5. Gesichtsrötung
  4. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose.
Kommentar:

Es gibt Hinweise darauf, dass eine Hyperkapnie ohne gleichzeitige Hypoxie mit Kopfschmerzen assoziiert sein kann. Es ist bekannt, dass eine Hyperkapnie (arterieller pCO2 >50 mmHg) zu einer Relaxation der glatten Muskulatur zerebraler Gefäße und damit zu einer Vasodilatation und einer Erhöhung des intrakraniellen Druckes führt. Das beste klinische Beispiel für Kopfschmerzen, die auf eine Hyperkapnie zurückzuführen sind, ist 10.1.3 Taucherkopfschmerz. Kohlendioxid (CO2) kann sich bei einem Taucher akkumulieren, der beim missglückten Versuch, Atemluft zu konservieren, die Luft gezielt intermittierend anhält oder nur oberflächlich atmet, um die Variabilität des Auftriebs in engen Passagen eines Wracks oder eine Höhle zu minimieren. Taucher hyperventilieren aber manchmal auch unbewusst, wenn ein enger Tauchanzug oder eine auftriebsvermindernde Weste die Ausdehnung des Brustkorbes behindern oder die Atmung im Vergleich zur körperlichen Anstrengung nicht ausreichend ist. Eine starke körperliche Anstrengung erhöht die CO2-Produktion um mehr als das 10fache und führt so zu einer vorübergehenden CO2-Erhöhung auf über 60 mmHg.

10.1.3 Taucherkopfschmerz intensiviert sich gewöhnlich während der Dekompressionsphase des Tauchganges oder beim Wiederauftauchen.