4.2 Primärer Anstrengungskopfschmerz

Früher verwendete Begriffe

Primärer Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung; benigner Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung.

An anderer Stelle kodiert:

Eine Migräne, die durch körperliche Anstrengung ausgelöst wurde, wird unter 1. Migräne entsprechend dem Typ oder Subtyp kodiert.

Beschreibung:

Kopfschmerz, hervorgerufen durch jede Form von körperlicher Anstrengung bei fehlender intrakraniellen Erkrankung.

Diagnostische Kriterien:
  1. Mindestens 2 Kopfschmerzepisoden, die die Kriterien B und C erfüllen
  2. Der Schmerz wird ausgelöst durch körperliche Anstrengung und tritt ausschließlich während oder nach einer solchen auf
  3. Dauer <48 Stunden
  4. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose1.
Anmerkung:
  1. Es kommt zu Fällen symptomatischer Natur. Beim erstmaligen Auftreten eines Kopfschmerzes mit diesen Merkmalen ist der Ausschluss einer Subarachnoidalblutung, einer arteriellen Dissektion und eines reversiblen zerebralen Vasokonstriktionssyndroms obligatorisch.
Kommentar:

Der 4.2 primäre Anstrengungskopfschmerz tritt bevorzugt bei hohen Temperaturen oder in großen Höhen auf. Subtypen wie der „Gewichtheber-Kopfschmerz“ sind anerkannt, werden jedoch nicht eigenständig klassifiziert. Im Gegensatz zum 4.1 primären Hustenkopfschmerz, der durch kurzzeitige Anstrengungen (z. B. ein Valsalva-Manöver) ausgelöst werden kann, geht dem 4.2 primären Anstrengungskopfschmerz gewöhnlich eine anhaltende körperliche Anstrengung voraus.

Der Kopfschmerz hatte in der Vågå-Studie im Fall der meisten Befragten mit Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung einen pulsierenden Charakter (dies galt weniger für die Heranwachsenden unter den Kopfschmerzpatienten, von denen fast die Hälfte eine Kopfschmerzdauer von weniger als 5 Minuten aufwies).

Es gibt Berichte, dass er bei manchen Patienten durch die Einnahme von Ergotamintartrat verhindert werden kann. Indometacin scheint in der Mehrzahl der Fälle wirksam zu sein.

Die pathophysiologischen Mechanismen, die dem 4.2 primären Anstrengungskopfschmerz zugrunde liegen, sind unbekannt. Die meisten Untersucher gehen davon aus, dass dieser Kopfschmerz vaskulären Ursprungs sei und verfolgen die Hypothese, dass eine Überdehnung der Venen oder Arterien als Sekundärfolge körperlicher Anstrengung der schmerzauslösende Mechanismus sei. Die neuere wissenschaftliche Erkenntnis, dass Patienten mit einem 4.2 primären Anstrengungskopfschmerz eine deutlich höhere Prävalenz einer Klappeninsuffizienz der inneren Jugularvenen aufweisen (70% gegenüber 20% aus der Kontrollgruppe) lässt darauf schließen, dass eine durch den venösen Rücktransport aus den Jugularvenen verursachte intrakranielle venöse Stauung bei der Pathophysiologie dieser Erkrankung eine Rolle spielen mag.