2.3 Chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp

An anderer Stelle kodiert:

4.10 Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz.

Beschreibung:

Erkrankung, die sich aus einem episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp entwickelt und mit täglichen oder sehr häufigen Kopfschmerzepisoden mit einer Dauer von Stunden bis Tagen einhergeht oder kontinuierlich vorhanden ist. Der Schmerz ist typischerweise beiderseits lokalisiert und von drückendem, beengendem Charakter. Er erreicht eine leichte bis mittelstarke Intensität und verstärkt sich nicht durch körperliche Routineaktivitäten. Milde Übelkeit, Photophobie oder Phonophobie können vorhanden sein.

Diagnostische Kriterien:
  1. Ein Kopfschmerz, der die Kriterien B bis D erfüllt, tritt an durchschnittlich ≥15 Tagen/Monaten über >3 Monate (≥180 Tage/Jahr) auf
  2. Der Kopfschmerz hält für Stunden bis Tage an oder ist kontinuierlich vorhanden
  3. Der Kopfschmerz weist mindestens 2 der folgenden Charakteristika auf:
    1. Beidseitige Lokalisation
    2. Schmerzcharakter drückend oder beengend, nicht pulsierend
    3. Leichte bis mittelstarke Schmerzintensität
    4. Keine Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten wie Gehen oder Treppensteigen
  4. Beide folgenden Punkte sind erfüllt:
    1. höchstens eines ist vorhanden: leichte Übelkeit oder Photophobie oder Phonophobie
    2. weder Erbrechen noch mittelstarke bis starke Übelkeit
  5. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose1;2;3.
Anmerkung:
  1. Sowohl die Diagnose eines 2.3 chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp als auch die einer 1.3 chronischen Migräne setzen voraus, dass diese an 15 oder mehr Tagen/Monaten aufgetreten sind. Bei einem 2.3 chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp muss der Kopfschmerz an mindestens 15 Tagen die Kriterien B bis D für einen 2.2 häufig auftretenden episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp erfüllen; für eine 1.3 chronische Migräne muss der Kopfschmerz an mindestens 8 Tagen die Kriterien B bis D für eine 1.1 Migräne ohne Aura erfüllen. Patienten können daher sämtliche Kriterien für beide Diagnosen erfüllen, etwa indem sie an 25 Tagen/Monat unter Kopfschmerzen leiden, die an 8 Tagen die Kriterien für eine Migräne erfüllen und an 17 Tagen die Kriterien für einen Kopfschmerz vom Spannungstyp. In solchen Fällen sollte nur die Diagnose lediglich 1.3 chronische Migräne lauten.
  2. Der 2.3 chronische Kopfschmerz vom Spannungstyp entwickelt sich mit der Zeit aus einem 2.2 häufigen episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp; wenn die Kriterien A bis E von einem Kopfschmerz erfüllt werden, der eindeutig täglich auftritt und binnen weniger als 24 Stunden nach seine ersten Auftreten nicht remittiert ist, erfolgt eine Kodierung unter 4.10 neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz. Wird die Art und Weise des Kopfschmerzbeginns nicht erinnert oder ist der Beginn unklar, sollte eine Kodierung unter 2.3 chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp erfolgen.
  3. In vielen unklaren Fällen spielt ein Medikamentenübergebrauch eine Rolle. Ist hier Kriterium B einer der Subtypen von 8.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Medikamentenübergebrauch und sind gleichzeitig die Kriterien für einen 2.3 chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp erfüllt, ist die Grundregel, sowohl unter 2.3 chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp als auch unter 8.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Medikamentenübergebrauch zu kodieren. Nach Medikamentenentzug sollte die Diagnose reevaluiert werden: es kommt nicht selten vor, dass die Kriterien für einen 2.3 chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp dann nicht mehr erfüllt sind und der Patient zu dem einen oder anderen episodischen Kopfschmerztyp zurückkehrt. Bleibt die Erkrankung nach Medikamentenentzug chronisch, entfällt die Diagnose 8.2 Kopfschmerz zurückzuführen auf einen Medikamentenübergebrauch.