13.11 Syndrom des brennenden Mundes (engl. Burning mouth syndrome – BMS)

Früher verwendete Begriffe

Stomatodynie oder Glossodynie, sofern auf die Zunge beschränkt.

Beschreibung:

Intraorale brennende Missempfindung oder Sensibilitätsstörung, die über mehr als 3 Monate für mehr als 2 Stunden/Tag täglich wiederkehrt und für die keine klinisch evidenten ursächlichen Läsionen gefunden werden können.

Diagnostische Kriterien:
  1. Schmerz im Bereich des Mundes1, der die Kriterien B und C erfüllt
  2. Täglich für >3 Monate für >2 Stunden/Tag wiederkehrend
  3. Der Schmerz weist beide der folgenden Charakteristika auf:
    1. Brennende Qualität2
    2. Oberflächlich in der Mundschleimhaut gespürt
  4. Die Mundschleimhaut weist ein normales Erscheinungsbild auf und eine klinische Untersuchung einschließlich sensorischer Testung ist unauffällig
  5. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose.
Anmerkung:
  1. Der Schmerz tritt üblicherweise bilateral auf; häufigster Situs ist die Zungenspitze.
  2. Die Schmerzintensität schwankt.
Kommentar:

Es können ein subjektives Gefühl der Mundtrockenheit, Dysästhesien und eine Beeinträchtigung des Geschmackes auftreten.

Es besteht eine hohe Prävalenz bei Frauen in den Wechseljahren, und einige Studien zeigen komorbide psychosoziale und psychiatrische Erkrankungen. Laboruntersuchungen und zerebrale Bildgebung verwiesen auf Veränderungen im Zentral- und peripheren Nervensystem.

Ob ein sekundäres Syndrom des brennenden Mundes zurückzuführen auf eine lokale (Candidiasis, Lichen ruber planus, Hyposalivation) oder systemische Störung (medikamenteninduziert, Anämie, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel, Sjögren-Syndrom, Diabetes) als eine eigenständige Entität angesehen werden sollten, ist umstritten. Die aktuellen Erkenntnisse rechtfertigen nicht einmal eine Aufnahme in den Anhang.