13.1.1.2.1 Trigeminusneuralgie zurückzuführen auf Multiple Sklerose

An anderer Stelle kodiert:

13.12.1 Zentraler neuropathischer Schmerz zurückzuführen auf Multiple Sklerose.

Beschreibung:

Trigeminusneuralgie verursacht durch (eine) Multiple-Sklerose-(MS)-Plaque oder -Plaques in der Pons oder der Eintrittszone der Trigeminuswurzel und verbunden mit anderen Symptomen und/oder klinischen Zeichen oder Laborbefunden, die auf MS schließen lassen.

Diagnostische Kriterien:
  1. Wiederkehrende einseitige paroxysmale Gesichtsschmerzattacken, die die Kriterien für eine 13.1.1 Trigeminusneuralgie erfüllen.
  2. Beide der folgenden Punkte sind erfüllt:
    1. Es wurde eine Multiple Sklerose (MS) diagnostiziert
    2. Es wurde im MRT eine MS-Plaque an der Eintrittszone der Trigeminuswurzel oder in der Pons diagnostiziert, die Auswirkungen auf die intrapontinen primär-afferenten Fasern hat bzw. auf deren Vorliegen elektrophysiologische Routineuntersuchungen1 schließen lassen, die eine Beeinträchtigung der trigeminalen Leitungsbahnen zeigen.
  3. Nicht besser erklärt durch eine andere ICHD-3-Diagnose.
Anmerkung:
  1. Blinkreflex oder trigeminal evozierte Potenziale.
Kommentar:

Eine 13.1.1.2.1 Trigeminusneuralgie zurückzuführen auf Multiple Sklerose tritt bei 2% bis 5% der Patienten mit Multipler Sklerose (MS) auf, mitunter beidseits. Umgekehrt wird bei nur 2% bis 4% der Fälle mit 13.1.1 Trigeminusneuralgie eine Multiple Sklerose entdeckt. Symptome einer Trigeminusneuralgie sind selten ein Leitmerkmal von MS.

Die Läsion in der Pons wirkt sich auf die intrapontinen zentralen Endigungen der trigeminalen afferenten Fasern aus, die zu den trigeminalen Hirnstammkernen projizieren. Pontine Läsionen, die sich auf die Neuronen zweiter Ordnung des trigemino-thalamischen Traktes auswirken, führen üblicherweise zu nicht-paroxysmalen Schmerzattacken und/oder Dysästhesien und sollten unter 13.13.1 zentraler neuropathischer Schmerz zurückzuführen auf Multiple Sklerose klassifiziert werden.

Bei einigen Patienten mit MS findet sich eine neurovaskuläre Kompression der Trigeminuswurzel. Man geht davon aus, dass MS die Anfälligkeit der Nervenwurzel für die Auswirkungen einer Kompression erhöht und so eher zu paroxysmalen Schmerzattacken führt.

Patienten mit 13.1.1.2.1 Trigeminusneuralgie zurückzuführen auf Multiple Sklerose profitieren weniger von pharmakologischen und chirurgischen Interventionen als solche mit einer 13.1.1.1 klassischen Trigeminusneuralgie.