1.2.2 Migräne mit Hirnstammaura

Früher verwendete Begriffe

Basilarisarterienmigräne; Basilarismigräne; Migräne vom Basilaristyp.

Beschreibung:

Eine Migräne, bei der die Aurasymptome eindeutig dem Hirnstamm zuzuordnen sind und keine motorische Schwäche vorhanden ist.

Diagnostische Kriterien:
  1. Attacken, die die Kriterien für eine 1.2 Migräne mit Aura und Kriterium B unten erfüllen
  2. Aura, bei denen beide untenstehenden Punkte erfüllt sind:
    1. Mindestens 2 der folgenden vollständig reversiblen Hirnstammsymptome:
      1. Dysarthrie1
      2. Schwindel2
      3. Tinnitus
      4. Hörminderung3
      5. Doppelbilder4
      6. Ataxie, die nicht auf ein sensibles Defizit zurückzuführen ist
      7. Bewusstseinsstörung (GCS ≤13)5
    2. Keine motorischen6 oder retinalen Symptome.
Anmerkung:
  1. Es sollte die Abgrenzung einer Dysarthrie von einer Aphasie erfolgen.
  2. Schwindel beinhaltet keine Benommenheit und ist von dieser abzugrenzen.
  3. Dieses Kriterium ist nicht erfüllt, wenn Patienten von einem „Völlegefühl“ im Ohr berichten.
  4. Diplopie umfasst kein Verschwommensehen (oder schließt dieses aus).
  5. Eine Abschätzung der Bewusstseinsstörung nach der Glasgow Coma Scale (GCS) mag bereits bei Aufnahme erfolgt sein; alternativ erlauben eindeutig vom Patienten geschilderte Defizite eine GCS-Einstufung.
  6. Bei Vorliegen motorischer Symptome wird die Erkrankung unter 1.2.3 hemiplegische Migräne kodiert.
Kommentar:

Ursprünglich wurden die Begriffe Basilarisarterienmigräne oder Basilarismigräne verwendet, da aber eine Beteiligung der Basilarisarterie unwahrscheinlich ist, sollte der Begriff Migräne mit Hirnstammaura bevorzugt werden.

Während der meisten Attacken kommt es zusätzlich zu den Hirnstammsymptomen zu typischen Aurasymptomen. Viele Patienten, die Attacken mit Hirnstammaura haben, berichten auch von anderweitigen Attacken mit typischer Aura. Hier sollte sowohl unter 1.2.1 Migräne mit typischer Aura als auch 1.2.2 Migräne mit Hirnstammaura kodiert werden.

Viele der unter Kriterium B1 aufgelisteten Symptome können fehlinterpretiert werden, da sie auch in Verbindung mit Angst und Hyperventilation auftreten können.